Overview
Diese Notizen behandeln die Auswahl geeigneter Literatur für wissenschaftliche Arbeiten. Zentrale Kriterien sind Zitierfähigkeit und Zitierwürdigkeit von Büchern, Zeitschriften und Internetquellen.
Grundfragen bei der Literaturauswahl
- Zwei Leitfragen: Ist die Quelle zitierfähig? Ist die Quelle zitierwürdig für wissenschaftliche Arbeiten?
- Ziel: Sicherstellen, dass Quellen auffindbar, überprüfbar und wissenschaftlich hochwertig sind.
- Wissenschaftliche Arbeiten verlangen nachvollziehbare, zugängliche und qualitativ geprüfte Literaturquellen.
Zitierfähigkeit (Zugänglichkeit von Quellen)
- Zitierfähigkeit bedeutet, dass andere die Quelle eindeutig finden und überprüfen können.
- Bücher und wissenschaftliche Zeitschriften sind in der Regel problemlos zitierfähig.
- Internetquellen sind flüchtig, Inhalte ändern sich häufig oder verschwinden komplett.
- Nicht veröffentlichte Forschungsberichte können problematisch sein, da sie nicht allgemein zugänglich sind.
- Vorgehen bei nicht öffentlich zugänglichen Quellen sollte mit Betreuerin oder Betreuer abgesprochen werden.
- Eine mögliche Lösung: Wichtige Internetquellen als Kopie in den Anhang der Arbeit aufnehmen.
Zitierwürdigkeit von Büchern
- Zitierwürdigkeit meint, ob eine Quelle wissenschaftlichen Qualitätskriterien entspricht und geeignet ist.
- Unterscheidung: wissenschaftliche Bücher vs. Praktikerbücher und populärwissenschaftliche Bücher.
- Wissenschaftliche Bücher: Dissertationen, Habilitationen, wissenschaftliche Untersuchungen in Buchform.
- Diese wissenschaftlichen Bücher gelten als zitierwürdig und sollten bevorzugt verwendet werden.
Nicht zitierwürdige bzw. problematische Buchtypen
- Praktikerbücher richten sich an Berufspraktiker, nicht an ein wissenschaftliches Publikum.
- Erkennbar oft an reißerischen, stark versprechenden Buchtiteln ohne klaren wissenschaftlichen Anspruch.
- Praktikerbücher besitzen häufig kein Literaturverzeichnis oder nur sehr eingeschränkte Quellenangaben.
- Handlungsempfehlungen werden oft nicht systematisch begründet, basieren selten auf Forschung.
- Für berufliche Praxis hilfreich, aber für wissenschaftliche Arbeiten meist ungeeignet.
- Populärwissenschaftliche Bücher wollen Forschung populär machen, nicht neue Wissenschaft erzeugen.
- Auch hier steht Vermittlung an breite Öffentlichkeit im Vordergrund, nicht methodische Tiefe.
- Einführungsbücher liefern breiten Überblick, jedoch nur oberflächliche und grundlegende Darstellung.
- Einführungsliteratur enthält kaum neue Erkenntnisse zu spezifischen Forschungsfragen.
- Daher sind Einführungsbücher für eigenständige wissenschaftliche Arbeiten ungeeignet.
Abschlussarbeiten und Lehrunterlagen
- Bei Masterarbeiten ist Vorsicht geboten, nicht jede ist automatisch zitierwürdig.
- Seminararbeiten, Übungsarbeiten und Bachelorarbeiten erfüllen oft wissenschaftliche Standards noch nicht.
- Diese Arbeiten gelten im Regelfall als nicht zitierwürdig für wissenschaftliche Projekte.
- Lehrveranstaltungsskripten sind ebenfalls nicht zitierwürdig, auch wenn sie vom eigenen Betreuer stammen.
Tabelle: Bewertung von Buchtypen
| Buchtyp | Zielgruppe/Zweck | Typische Merkmale | Zitierwürdig? |
|---|
| Dissertation/Habilitation | Wissenschaft, Forschung | Ausführliche Methode, Literaturverzeichnis, neue Erkenntnisse | Ja, in der Regel |
| Wissenschaftliches Fachbuch | Wissenschaft, Studierende | Theoretisch fundiert, Quellen dokumentiert | Ja |
| Praktikerbuch | Berufspraktiker, Ratgeberfunktion | Reißerische Titel, selten Literaturverzeichnis | Meist nein |
| Populärwissenschaftliches Buch | Breite Öffentlichkeit | Vereinfachte Darstellung, populär aufbereitet | Eher nein |
| Einführungsbuch | Studienanfänger, Überblick | Oberflächlich, Grundlagen, wenig neue Erkenntnisse | Für Forschung: nein |
| Seminar-/Bachelorarbeit | Studium, Übung | Lernarbeiten, unvollständige Methodik | Nein |
| Masterarbeit | Fortgeschrittenes Studium | Uneinheitliche Qualität, genau prüfen | Mit Vorsicht, meist kritisch |
| Lehrskript | Lehrveranstaltungsteilnehmende | Kompakt, didaktisch, ohne Peer-Review | Nein |
Zeitschriften als Literaturquelle
- Unterscheidung: wissenschaftliche Fachzeitschriften (Journale) vs. sonstige Fach- und Praktikerzeitschriften.
- In den Sozialwissenschaften sind wissenschaftliche Journale die wichtigste Literaturquelle.
- Wissenschaftler veröffentlichen dort ihre Forschungsergebnisse für die Fachgemeinschaft.
Merkmale wissenschaftlicher Fachzeitschriften
- Artikel werden von Forschenden selbst geschrieben, nicht von Journalisten.
- Verwendete Forschungsmethoden sind detailliert beschrieben und offen gelegt.
- Alle verwendeten Quellen sind umfassend dokumentiert und nachvollziehbar.
- Strenges Peer-Review-Verfahren: Fachkolleginnen und -kollegen begutachten anonym die Artikel.
- Peer-Review dient der Qualitätssicherung und Filterung wissenschaftlich unzureichender Beiträge.
- Solche Fachzeitschriften gelten klar als zitierwürdig und zentral für wissenschaftliche Arbeiten.
Praktikerzeitschriften und Journalismus
- Fachzeitschriften für Praktiker orientieren sich an Praxisinteressen, nicht an Forschungskriterien.
- Quellenangaben fehlen oft oder sind nur sehr unvollständig dargestellt.
- Vorgehensweise bei der Informationsgewinnung wird meist nicht systematisch beschrieben.
- Artikel stammen häufig von Journalisten, nicht von wissenschaftlichen Fachpersonen.
- Thematisch häufig breiter und weniger spezialisiert als wissenschaftliche Fachartikel.
- Praktikerzeitschriften sind daher nur sehr eingeschränkt zitierwürdig.
Zeitungen: Qualitäts- vs. Boulevardpresse
- Boulevardpresse (z. B. Bild-Zeitung) ist nicht zitierwürdig für wissenschaftliche Arbeiten.
- Qualitätspresse (z. B. Frankfurter Allgemeine, New York Times) bleibt trotz Qualität keine Fachpublikation.
- Hochwertige Zeitungen können in bestimmten Fällen sinnvoll verwendet werden.
- Einsatzmöglichkeiten: Einstieg in das Thema, als Aufhänger am Anfang der Arbeit.
- Verwendung zur Darstellung der Praxisrelevanz eines wissenschaftlichen Themas.
- Geeignet für Gegenüberstellungen von wissenschaftlicher Sicht und praktischer Berichterstattung.
- Nützlich zur Beschaffung journalistisch recherchierter Fakten wie Unternehmensdaten, Tagespolitik.
Tabelle: Bewertung von Zeitschriften- und Zeitungstypen
| Publikationstyp | Autorenschaft | Qualitätssicherung | Typische Nutzung | Zitierwürdig? |
|---|
| Wiss. Fachzeitschrift (Journal) | Forschende | Peer-Review, detaillierte Methode | Präsentation neuer Forschung | Ja, zentrale Quelle |
| Praktikerzeitschrift | Journalisten, Praktiker | Keine wissenschaftliche Begutachtung | Praxisberichte, Tipps | Stark eingeschränkt |
| Boulevardzeitung | Journalisten | Boulevardstandards, Sensationsfokus | Unterhaltung, vereinfachte Berichterstattung | Nein |
| Qualitätszeitung | Professionelle Journalisten | Redaktionelle Kontrolle | Nachrichten, Hintergrundberichte | Nur ergänzend, kein wissenschaftlicher Kern |
Internetquellen
- Websites sind wichtige Informationsquellen, aber wissenschaftliche Eignung ist unterschiedlich.
- Volltextartikel aus wissenschaftlichen Fachzeitschriften, über Datenbanken online zugänglich, sind unproblematisch.
- Entscheidend ist hier der Ursprung im Peer-Review-Journal, nicht die Zugangsform (Kopie oder Online-Lesen).
- Allgemeine Websites, etwa von Firmen, entsprechen meist nicht wissenschaftlichen Standards.
- Inhalte allgemeiner Websites können fehlerhaft, veraltet oder inhaltlich unzuverlässig sein.
- Allgemeine Webseiten sollten nur nach sorgfältiger Prüfung in wissenschaftliche Arbeiten aufgenommen werden.
- Im Zweifel ist die Suche nach einer alternativen, wissenschaftlich fundierten Quelle empfehlenswert.
Tabelle: Internetquellen im Überblick
| Internetquelle | Herkunft | Qualitätssicherung | Einsatz in wissenschaftlichen Arbeiten |
|---|
| Online-Fachzeitschriftenartikel | Wissenschaftliche Journale | Peer-Review | Voll zitierfähig und zitierwürdig |
| Datenbanken/Zeitschriftensammlungen | Bibliotheken, Verlage | Editorial, Peer-Review | Zentrale Zugangswege zu hochwertiger Literatur |
| Unternehmenswebseiten | Unternehmen | Interne Kontrolle | Nur für Fakten zur Firma, mit Vorsicht |
| Allgemeine Websites/sonstige Internetseiten | Unterschiedliche Betreiber | Meist keine externe Kontrolle | Nur nach kritischer Prüfung, eher Alternativen |
Allgemeine Prüffragen für jede Quelle
- Handelt es sich um wissenschaftliche Literatur oder um eine allgemein verständliche Publikation?
- In welchem Verlag oder welcher Zeitschrift ist Buch oder Artikel erschienen?
- Verlags- oder Zeitschriftenname kann Hinweis auf Qualität und wissenschaftlichen Anspruch geben.
- Ist die Autorin oder der Autor im Fachgebiet renommiert oder wissenschaftlich etabliert?
- Wie alt ist die verwendete Literatur, sind die Inhalte noch aktuell und relevant?
- Da sich Erkenntnisse schnell ändern, ist neuere Literatur meist älteren Werken vorzuziehen.
- Es existieren Ausnahmen, z. B. bei klassischen Grundlagentexten oder historischen Arbeiten.
Key Terms & Definitions
- Zitierfähigkeit: Zugänglichkeit und Auffindbarkeit einer Quelle für andere Leser und Forschende.
- Zitierwürdigkeit: Grad, in dem eine Quelle wissenschaftlichen Qualitätsstandards entspricht.
- Wissenschaftliches Buch: Dissertation, Habilitation oder Forschungspublikation mit nachvollziehbarer Methode.
- Praktikerbuch: Ratgeber für berufliche Praxis, meist ohne systematische wissenschaftliche Fundierung.
- Populärwissenschaftliches Buch: Populäre Darstellung wissenschaftlicher Inhalte für breites Publikum.
- Einführungsliteratur: Überblickswerk mit Grundlagen eines Faches, eher oberflächlich und breit.
- Peer-Review-Verfahren: Anonyme Begutachtung von Fachartikeln durch unabhängige Fachkollegen.
- Wissenschaftliche Fachzeitschrift (Journal): Periodikum mit Peer-Review und dokumentierten Methoden.
- Qualitätspresse: Seriöse Zeitung mit hoher journalistischer Qualität, aber ohne Peer-Review.
Action Items / Next Steps
- Bei jeder gefundenen Quelle zunächst Zitierfähigkeit und Zitierwürdigkeit getrennt beurteilen.
- Vorrangig wissenschaftliche Bücher, Dissertationen, Habilitationen und Journalartikel verwenden.
- Praktikerbücher, populärwissenschaftliche Werke und Einführungsbücher nur zur Orientierung nutzen.
- Seminar-, Bachelorarbeiten, Lehrskripten und Boulevardpresse grundsätzlich nicht zitieren.
- Qualitätspresse und allgemeine Internetseiten nur ergänzend und sehr gezielt einsetzen.
- Unsichere Fälle immer mit Betreuerin oder Betreuer besprechen und Alternativquellen prüfen.