Übersicht
In dieser Vorlesung wurden Grundlagen der Elektrophysiologie des Herzens sowie Wirkmechanismen, Anwendungsgebiete und Risiken von Antiarrhythmika zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen besprochen.
Herzstruktur und Elektrophysiologie
- Das Herz ist ein funktionelles Synzytium, erregungsleitend durch Gap Junctions (Konnexine).
- Vorhöfe und Kammern sind elektrophysiologisch durch die Ventilebene getrennt; nur der AV-Knoten ist durchlässig.
- Schrittmacherzellen (Sinusknoten) sind zur Automatie fähig (Eigenrhythmus); Arbeitsmyokard benötigt externe Erregung.
- Der Funny Current (HCN4) verursacht in Schrittmacherzellen die spontane Depolarisation.
- Im Arbeitsmyokard verlaufen Aktionspotenziale über spannungsabhängige Natrium-, Calcium- und Kaliumkanäle.
Elektrokardiogramm (EKG) und Relevanz der Ionenströme
- P-Welle: Erregung der Vorhöfe.
- PQ-Strecke: AV-Überleitung.
- QRS-Komplex: Ventrikelerregung.
- ST-Strecke/T-Welle: Repolarisation der Ventrikel.
- QT-Zeit ist das Zeitmaß der Depolarisation und Repolarisation; Verlängerungen erhöhen das Arrhythmierisiko.
Störungen der Erregungsbildung
- Frühe Nachdepolarisationen: Ursache meist verlangsamte Repolarisation (z.B. durch Hypokaliämie oder Kaliumkanalblockade).
- Späte Nachdepolarisationen: Ausgelöst durch intrazelluläre Calciumüberladung (z.B. Digitalis, Katecholamine).
- Re-Entry-Phänomen: Kreisende Erregungen infolge kurzer Refraktärzeiten in geschädigtem Gewebe (z.B. nach Infarkt).
- Antiarrhythmika verlängern oft die Refraktärzeit zur Unterdrückung von Re-Entry.
Wirkmechanismen & Klassen der Antiarrhythmika
- Klasse 1a (Chinidin, Ajmalin): Natriumkanalblocker, verbreitern QRS, verlängern QT (proarrhythmogen).
- Klasse 1b (Lidocain): Wirkt bei ventrikulären Tachykardien, keine QT-Verlängerung.
- Klasse 1c (Propafenon, Flecainid): Pill-in-the-Pocket bei Vorhofflimmern (Konversion).
- Klasse 2 (Beta-Blocker): Dämpfen Beta-1-vermittelte Erregung, kein proarrhythmogenes Risiko.
- Klasse 3 (Amiodaron, Dronedaron, Sotalol, Vernakalant): Kaliumkanalblocker, verlängern Repolarisation/QT, Multikanalblockade möglich.
- Klasse 4 (Verapamil, Diltiazem): Calciumantagonisten, wirken bei supraventrikulären Tachykardien.
- Adenosin: Wirkt am AV-Knoten durch GI-gekoppelte Rezeptoren, sehr kurze Wirkdauer.
- Digitalisglykoside: Erhöhen Parasympathikustonus, für supraventrikuläre Tachykardien.
Nebenwirkungen und Besonderheiten
- Amiodaron kann Schilddrüsenfunktionsstörungen, Haut- und Lungenfibrosen verursachen; hohes Verteilungsvolumen, langsame Elimination.
- Sotalol (bes. D-Sotalol) besitzt hohes proarrhythmogenes Potenzial.
- Vernakalant wirkt spezifisch atrial (Vorhof).
Wichtige Begriffe und Definitionen
- Synzytium — Funktionelle Zellverschmelzung für elektrische Kopplung.
- HCN4/Funny Current — Ionenkanal für spontane Schrittmacheraktivität.
- Refraktärzeit — Zeitraum nach Aktionspotenzial, in dem Zellen nicht erneut erregbar sind.
- QT-Zeit — Dauer der Depolarisations- und Repolarisationsphase im EKG.
- Frühe/späte Nachdepolarisation — Pathologische vorzeitige Erregungsbildung.
- Re-Entry — Kreisende Erregung, Ursache vieler Arrhythmien.
Action Items / Nächste Schritte
- Wiederholen Sie die Wirkmechanismen und Unterschiede der Antiarrhythmika-Klassen.
- Vertiefen Sie die EKG-Interpretation, speziell QT-Zeit und deren Veränderung.
- Lesen Sie im Lehrbuch zu Nebenwirkungen der wichtigsten Antiarrhythmika nach.