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Herz-Elektrophysiologie und Antiarrhythmika

Sep 30, 2025

Übersicht

In dieser Vorlesung wurden Grundlagen der Elektrophysiologie des Herzens sowie Wirkmechanismen, Anwendungsgebiete und Risiken von Antiarrhythmika zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen besprochen.

Herzstruktur und Elektrophysiologie

  • Das Herz ist ein funktionelles Synzytium, erregungsleitend durch Gap Junctions (Konnexine).
  • Vorhöfe und Kammern sind elektrophysiologisch durch die Ventilebene getrennt; nur der AV-Knoten ist durchlässig.
  • Schrittmacherzellen (Sinusknoten) sind zur Automatie fähig (Eigenrhythmus); Arbeitsmyokard benötigt externe Erregung.
  • Der Funny Current (HCN4) verursacht in Schrittmacherzellen die spontane Depolarisation.
  • Im Arbeitsmyokard verlaufen Aktionspotenziale über spannungsabhängige Natrium-, Calcium- und Kaliumkanäle.

Elektrokardiogramm (EKG) und Relevanz der Ionenströme

  • P-Welle: Erregung der Vorhöfe.
  • PQ-Strecke: AV-Überleitung.
  • QRS-Komplex: Ventrikelerregung.
  • ST-Strecke/T-Welle: Repolarisation der Ventrikel.
  • QT-Zeit ist das Zeitmaß der Depolarisation und Repolarisation; Verlängerungen erhöhen das Arrhythmierisiko.

Störungen der Erregungsbildung

  • Frühe Nachdepolarisationen: Ursache meist verlangsamte Repolarisation (z.B. durch Hypokaliämie oder Kaliumkanalblockade).
  • Späte Nachdepolarisationen: Ausgelöst durch intrazelluläre Calciumüberladung (z.B. Digitalis, Katecholamine).
  • Re-Entry-Phänomen: Kreisende Erregungen infolge kurzer Refraktärzeiten in geschädigtem Gewebe (z.B. nach Infarkt).
  • Antiarrhythmika verlängern oft die Refraktärzeit zur Unterdrückung von Re-Entry.

Wirkmechanismen & Klassen der Antiarrhythmika

  • Klasse 1a (Chinidin, Ajmalin): Natriumkanalblocker, verbreitern QRS, verlängern QT (proarrhythmogen).
  • Klasse 1b (Lidocain): Wirkt bei ventrikulären Tachykardien, keine QT-Verlängerung.
  • Klasse 1c (Propafenon, Flecainid): Pill-in-the-Pocket bei Vorhofflimmern (Konversion).
  • Klasse 2 (Beta-Blocker): Dämpfen Beta-1-vermittelte Erregung, kein proarrhythmogenes Risiko.
  • Klasse 3 (Amiodaron, Dronedaron, Sotalol, Vernakalant): Kaliumkanalblocker, verlängern Repolarisation/QT, Multikanalblockade möglich.
  • Klasse 4 (Verapamil, Diltiazem): Calciumantagonisten, wirken bei supraventrikulären Tachykardien.
  • Adenosin: Wirkt am AV-Knoten durch GI-gekoppelte Rezeptoren, sehr kurze Wirkdauer.
  • Digitalisglykoside: Erhöhen Parasympathikustonus, für supraventrikuläre Tachykardien.

Nebenwirkungen und Besonderheiten

  • Amiodaron kann Schilddrüsenfunktionsstörungen, Haut- und Lungenfibrosen verursachen; hohes Verteilungsvolumen, langsame Elimination.
  • Sotalol (bes. D-Sotalol) besitzt hohes proarrhythmogenes Potenzial.
  • Vernakalant wirkt spezifisch atrial (Vorhof).

Wichtige Begriffe und Definitionen

  • Synzytium — Funktionelle Zellverschmelzung für elektrische Kopplung.
  • HCN4/Funny Current — Ionenkanal für spontane Schrittmacheraktivität.
  • Refraktärzeit — Zeitraum nach Aktionspotenzial, in dem Zellen nicht erneut erregbar sind.
  • QT-Zeit — Dauer der Depolarisations- und Repolarisationsphase im EKG.
  • Frühe/späte Nachdepolarisation — Pathologische vorzeitige Erregungsbildung.
  • Re-Entry — Kreisende Erregung, Ursache vieler Arrhythmien.

Action Items / Nächste Schritte

  • Wiederholen Sie die Wirkmechanismen und Unterschiede der Antiarrhythmika-Klassen.
  • Vertiefen Sie die EKG-Interpretation, speziell QT-Zeit und deren Veränderung.
  • Lesen Sie im Lehrbuch zu Nebenwirkungen der wichtigsten Antiarrhythmika nach.